Der Kommentar am Sonntag in DNEWS24.

Der Überflieger ist ein Mann ohne Gespür. Gedankenmacher in DNEWS24

Der Bundesvorsitzende der CDU Deutschlands ist der natürliche Kanzlerkandidat der Union. Da lohnt ein kritischer Blick auf Friedrich Merz.

Der Mann ist groß, schlank, sportlich. Er ist Jurist – ein angesehener Beruf, was in Deutschland aufgrund der mehr als unrühmlichen Rolle der Staatsanwälte und Richter im 3. Reich, der SBZ/DDR und der frühen Bundesrepublik Deutschland nur verwundern kann.

Er ist ein Politiker, der hoch hinauf will. Und einer, der weder seine Gefühle noch sein Mundwerk ständig im Griff hat. Mit Bangen sehen Sympathisanten der Union Friedrich Merz in Talk-Shows und Sommerinterviews. Von der unterschiedslosen Verunglimpfung ganzer Bevölkerungsgruppen bis hin zur totalen Unfähigkeit, die „Brandmauer“ zur AfD zu begründen und zu erklären, wird dem entsetzen Betrachter alles geboten.

Und nun hatte Friedrich Merz auch noch seinen Laschet-Moment.

Wir erinnern uns: wenige Sekunden des von TV-Kameras eingefangenen Lachens am Rande einer Veranstaltung im von einer Jahrhundertflut verheerten Erftstadt beendeten alle Aussichten des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet, als Nachfolger von Angela Merkel in das Bundeskanzleramt einziehen zu können. Ein (Mit-)Flug des bekennenden Hobby-Piloten und Propellerflugzeug-Besitzers Friedrich Merz in einem Überschalljet der Deutschen Luftwaffe und das von Kameras eingefangene Lächeln des Möchtegern-Top-Gun Merz wirft viele Fragen auf.

Wir erinnern uns noch einmal. Als in Berlin der Deutsche Bundestag die schrecklich wachsende Altersarmut in Deutschland diskutierte, schwänzte Merz die Debatte und flog in seiner Privatmaschine lieber zur medienwirksamen Protz-Hochzeit von Christian Lindner (FDP) nach Sylt. Merz hat kein Gespür für die Ängste der „kleinen“ Leute. Merz ist ein Sauerländer, der selbst sagt, er müsse die Ostdeutschen erst verstehen lernen, ein Multimillionär, der das Gefühl nicht versteht, wenn eine Rentnerin zur Tafel gehen muss, um den Monat überleben zu können. Ein Nutzer der Bundestags-Fahrbereitschaft, der das Gefühl einer Frau in der Berliner U8 nicht nachvollziehen kann.

Und jetzt also der Mitflug bei einer Übung. Dann durfte Propellerpilot Merz auch noch den Überschalljet steuern.

Merz und ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums hatten schnell Erklärungen parat, warum der Oppositionsführer geflogen ist und warum die Kosten von mehr als 110.000 Euro für den Merz-Flug zu rechtfertigen sind. Soweit so gut? Nein, denn wenn eine Handlung erklärt werden muss, ist sie nicht selbstverständlich. Und es stellt sich die Frage, warum sich Merz immer wieder Blößen leistet?

Ist der Mann reif für den Kanzler-Job? Die Zweifel bleiben. Während das aktuelle Politbarometer des ZDF die Union bei 32 % sieht – und damit stärker als die gesamte Ampel – verharrt Merz im Politikerranking nur auf dem Platz 4, hinter Boris Pistorius, Hendrik Wüst und Markus Söder.

Das heißt im Klartext: Merz ist kein Zugpferd und hilft der Union nicht.


Bild: Chris Leipelt unsplash, Tobias Koch, DNEWS24

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Der Autor

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus, des Bundesverband Initiative 50Plus Austria und Sprecher des European Center of Competence for Demography.

Bis 1996 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“

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