Verbrauchertipp in DNEWS24

LNG: Fakten zu Flüssigerdgas und Projekten in Norddeutschland

Die ersten deutschen LNG-Terminals sind in Betrieb. Doch was genau versteht man unter Flüssiggas, welche Brennwerte resultieren daraus? Ist Flüssiggas für Deutschland wirklich eine Lösung? Und wenn ja, welche neuen Abhängigkeiten schafft LNG?

LNG bedeutet Liquefied Natural Gas – also verflüssigtes Erdgas – und besteht zu rund 98 Prozent aus Methan. Es ist farblos und ungiftig. Produziert wird es, indem Erdgas auf minus 161 bis 164 Grad Celsius gekühlt wird. Das Volumen wird so um das 600-fache verringert. Wenn Gas über größere Ozeane transportiert werden muss, ist der Bau von Pipelines nicht rentabel. Im flüssigen Zustand kann es jedoch per Spezialschiff transportiert werden und man spricht von LNG.

Welche Länder sind die wichtigsten LNG-Lieferanten?

Im Jahr 2021 wurden weltweit 4.036,9 Milliarden m³ Erdgas gefördert (2010 = 3.150,2 Milliarden m³). Die größten Förderländer waren 2021 Australien, die USA (934,2 Milliarden m³), Russland (701,7 Milliarden m³), Iran (256,7 Milliarden m³), China (209,2 Milliarden m³), Katar (177,0 Milliarden m³), Malaysia und Nigeria, etc. Mit 0,24 Millionen Tonnen verzeichnet Norwegen den höchsten Exportwert in Europa.

2021 importierte die EU 28 Prozent des LNGs aus den USA, jeweils 20 Prozent kamen aus Katar und Russland. Katar will ab 2026 in größerem Umfang Flüssigerdgas nach Deutschland liefern und hat dazu ein Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips unterzeichnet.

Nach Angaben der Londoner Schiffsdatenbank „Vessels Value“ verfügte Griechenland Ende 2021 über LNG-Tanker im Wert von 19,11 Milliarden Dollar. Damit liegen die griechischen Reeder weltweit an der Spitze, gefolgt von Japan mit 18,1 Milliarden und China mit 10,5 Milliarden Dollar. In Europa importieren Großbritannien, Italien und Belgien schon länger größere Mengen LNG und verfügen auch über mehrere Terminals. In Europa gibt es aktuell 37 LNG-Terminals, davon 26 in den EU-Mitgliedsländern. Bekanntlich plant Deutschland den Bau von eigenen Terminals und schwimmenden Anlagen. Letztere sollen zusammen auf eine Kapazität von bis zu 27 Milliarden Kubikmetern Gas kommen. Bisher hat die Bundesregierung vier schwimmende LNG-Terminals (FSRU) angemietet. Davon werden zwei im Winter 2022/2023 für Wilhelmshaven und Brunsbüttel und zwei weitere ab 2023 für Stade und Lubmin zur Verfügung stehen. Wilhelmshaven (78.000 Einwohner) am Jadebusen hat allerdings den einzigen Tiefwasserhafen Deutschlands, an dem auch große Tanker
jederzeit anlanden können.

Ersetzen lässt sich russisches Gas in den nächsten Jahren nicht, auch nicht durch LNG, also Flüssigerdgas. Dafür reicht die LNG-Infrastruktur in Europa noch lange nicht aus. 380 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbrauchte die EU im Jahr 2020, die eigene Produktion hat sich aber in den letzten zehn Jahren halbiert.

Um die jährlichen 167 Milliarden Kubikmeter russischen Gases zu ersetzen, wären rund 1.800 Schiffsladungen für Europa nötig – bzw. fünf pro Tag. Laut des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik bräuchte es dafür 160 neue Tanker. LNG-Tanker dienen dem Transport von flüssigem Erdgas und verkehren zwischen den Gasverflüssigungsanlagen (Produktion) und den Import-Terminals. Im Jahr 2021 waren 700 Stück weltweit auf den Meeren in Betrieb.

Wie sieht das Preisgefüge aus?

Ende Oktober 2020 lag der LNG-Preis pro kg in Deutschland bei etwa 0,8299 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Ähnlich liegen die Preise auch in unseren Nachbarländern. So kostet(e) das flüssige Erdgas in den Niederlanden 0,8099 €/kg und in Belgien sogar nur 0,6364 €/kg. In den meisten Fällen ist der Preis für Flüssiggas etwas höher als der Preis für Erdgas. Jedoch ist Flüssiggas günstiger als Heizöl. Einen großen Tanker mit flüssigem, tiefgekühlten Erdgas in den USA zu füllen, kostet derzeit rund 60 Millionen Euro. In Europa ist das Gas dann 200 bis 300 Millionen Euro wert – je nach aktuellem Tagespreis. Verfeuert man Heizöl in einer Öl-Brennwertheizung, kann man mit 10,6 kWh pro Liter Heizöl rechnen. Verbraucht man also 2.500 Liter Heizöl pro Jahr entspricht dies ca. 25.000 Kilowattstunden Energie oder ca. 1.900 kg Flüssiggas.

Von rund 400 Kreuzfahrtschiffen weltweit gibt es derzeit nur sechs mit LNG-Antrieb, 24 weitere sollen bald folgen. Die restlichen Schiffe werden herkömmlich angetrieben – mit Diesel oder Schweröl.

Weitere Fakten und Berechnungen zu Flüssigerdgas und Projekten in Norddeutschland

(zusammengestellt und freundlicherweise zur Veröffentlichung überlassen von Dr. Ralph Pohl)

Das Volumen der russischen Gaslieferungen im Jahre 2020 betrug etwa 56 Milliarden Kubikmmeter (laut NDR Info). Die Dichte von Erdgas unter Normalbedingungen beträgt 0,700 kg/m³ (H-Gas) und 0,840 kg/m³ (L-Gas). Das entspricht bei einer mittleren Dichte von 0,8 kg/m³ etwa 45 Millionen Tonnen Erdgas. Da energetisch gesehen eine Tonne Erdgas den gleichen Energiegehalt hat wie eine Tonne verflüssigtes Erdgas (LNG) entspräche das einem Volumen von ca. 100 Millionen Kubikmeter Flüssigerdgas mit einer Dichte von 450 kg/m3.

Die Höegh Esperanza ist ein Flüssigerdgas- (LNG)-Speicher – und Verdampfungs-Schiff, auch als schwimmende Speicher- und Wiederverdampfungseinheit bezeichnet (Floating Storage and Regasification Unit; FSRU). Das Schiff gehört der Höegh LNG Holdings. Es soll ab Januar 2023 zur Verdampfung von flüssigem Erdgas am LNG-Terminal Wilhelmshaven eingesetzt werden. Die Tankkapazität beträgt 170.032 m³. Das entspricht bei einer Dichte von 450 kg/m3 etwa 76.514 Tonnen, was ungefähr mit der ursprünglichen Tragfähigkeit des Schiffes von 92.217 Tonnen (tdw) übereinstimmt.

Die mit der deutschen Bundesregierung vertraglich vereinbarte Dauerleistung der Höegh Esperanza beträgt 5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr (bcm/a), die Maximalleistung 7,5 bcm/a (Die Bundesregierung). Das entspricht 4 Millionen Tonnen oder etwa 8,9 Millionen Kubikmeter LNG pro Jahr. Das sind ziemlich genau 4% der in 2020 aus Russland eingeführten Menge Erdgas. Wenn die 5 Mrd. m3 erreicht werden sollen, dann muss die Esperanza etwa 52 Mal pro Jahr gefüllt werden und diese Menge verdampfen. Das bedeutet, dass wöchentlich einmal das Schiffterminal gefüllt werden und sein Inhalt in Gas umgewandelt werden muss.

Zum Vergleich: Der größte Erdgastanker der Welt, die „Mozah“ aus Qatar hat eine Tankvolumen von 266.398 m³ bei einer Tragfähigkeit von 125.600 tdw. 375 solcher riesigen Schiffe müssten pro Jahr Deutschland anlaufen, um den Ausfall an Gaslieferungen aus Russland zu ersetzen. Das würde noch viele weitere Terminals erfordern.

Wie auch immer, das weltweite Flüssiggasangebot steigt. Damit sind Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit langfristig gegeben. Sowohl als konventionelles Flüssiggas, als auch in Form von biogenem Flüssiggas leistet der Energieträger also einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende.

Es gibt freilich auch kritische Stimmen

Der Blick auf die Liste der Förder-Länder läßt daran zweifeln, daß keine neuerlichen Abhängigkeiten drohen. Zudem gibt es innerhalb der EU ja bereits 26 Terminals. Könnte die BRD also nicht aus den Nachbarländern Gas beziehen? Kritiker sind überdies der Meinung, daß bei entsprechend zügigem Ausbau der erneuerbaren Energien keine weiteren teuren LNG-Terminals benötigt werden. Bei LNG aus den USA und Australien handelt es sich zudem oft um Fracking-Gas. Das ist aufgrund von Leckagen noch klimaschädlicher als konventionelles, fossiles Gas. LNG mit hohem Fracking-Anteil aus den USA ist – laut Fachleuten – über sechsmal und aus Australien rund 7,5-mal klimaschädlicher als Pipeline-Gas aus Norwegen.

Die Bundesregierung plant bis zu sieben neue Terminals, mit einer Kapazität von 70 Prozent des deutschen Gasverbrauchs. Mit ihnen droht die Gefahr eines fossilen Lock-ins. Das heißt, mit der Infrastruktur machen wir uns von fossilem Gas abhängig und müssen es weiter verbrennen. Amortisationskosten und Energieaufwand bei der Gaskomprimierung nicht zu vergessen. Das teuerste und größte dieser Bauvorhaben ist das LNG-Terminal in Stade. Es soll den jährlichen Import von 12 Milliarden Kubikmeter LNG ermöglichen und rund eine Milliarde Euro(!) kosten.

Die Eröffnung des ersten deutschen LNG-Terminals hat Wilhelmshaven in der Tat in die Schlagzeilen gebracht. Die Stadt wünscht sich jedoch, dass längerfristig Wasserstoff die Zukunft prägt.

Petra Fritz

Die Autorin ist von Beruf Dipl-Kfm (Uni Mannheim), Jahrgang 1960, verheiratet, wohnhaft in Speyer am Rhein. Sie war 4 Jahre Personalleiterin bei den US- Streitkräften (AAFES) in Stuttgart und Heidelberg, in Folge 12 Jahre tätig im Pharma-Management von BASF (Auslandsvertrieb), davon 18 Monate bei der Tochtergesellschaft Quimica Knoll in Mexico.

Seit 2002 ist Petra Fritz selbständige rechtliche Berufsbetreuerin (Vormund) und Verfahrenspflegerin für die Amtsgerichte Speyer, Ludwigshafen und Germersheim (teils ehrenamtliche Fallberatung).

Privat war Petra Fritz Leistungssportlerin im Eis- und Rollkunstlauf (u.a. Profi-WM 1978 und 1979), später 14 Jahre lang Vize-Präsidentin des Rheinland-pfälzischen Eis- und Rollsportverbandes sowie Repräsentantin „Frau im Sport“. Heute ist sie in der Freizeit gerne auf dem Wasser und auf Ski unterwegs. Ansonsten vielseitig interessiert und seit 2012 auch wieder semi-professional als Bestager-Model, Darstellerin, Moderatorin und Bloggerin für „Topagemodel.de“ tätig.

DNEWS24 auf Twitter folgen

DNEWS24-Beitrag teilen